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Die Geschichte des Pflaumenjungen

Heute habe ich nach dem Notizbuch gegriffen, in das ich unvergessliche Erlebnisse, meine Gedanken und weise Maximen schreibe.

Ich schlug zufällig die Seite mit einer Geschichte auf, die ich vor drei Jahren verfasste.

Am Eingang zum Stadtfriedhof meines polnischen Geburtsortes steht ein alter Pflaumenbaum mit Mirabellen.
Ich erinnere mich an die Empörung meiner Verwandten, als sie einen Vater mit seinem kleinen Sohn sahen, der heruntergefallene Früchte sammelte. Damals hatte ich den Gedanken, dass Mutter Natur denjenigen Früchte bringt, die auf ihr Geld achten müssen. Ich weiß nicht, ob tatsächlich ein geringes Einkommen der Grund für ihr Ernten war, was mich aber faszinierte, war der Ausdruck absoluten Glücks in den Augen des Jungen. Jede aufgelesene Pflaume war eine kleine Trophäe, und der Junge hüpfte wie ein Bergzicklein um den Baum und sammelte die nächsten Obststücke ein.
Die beiden achteten nicht auf andere Menschen, die ihre verstorbenen Verwandten besuchten; sie wurden völlig vom Pflaumenbaum absorbiert, ein Relikt aus der Zeit, als dort noch Kleingärten waren.

Glück hat unterschiedliche Gesichter und diese Erinnerung war für mich als Betrachter eine wertvolle Erfahrung.

In den letzten Tagen hatte ich einige Geschichten von jungen Soldaten gehört, die in einer Rehaklinik waren. Zuvor waren sie in Afghanistan stationiert, und am schrecklichsten war, von Kindern zu hören, die für fünf Dollar als Selbstmordattentäter zu Soldaten einer Einheit geschickt wurden.
Mit großer Trauer beobachtete ich diese jungen Männer, deren Psyche und Sensibilität vom Krieg gezeichnet waren. Einer von ihnen, der viermal auf einer Friedensmission war, erzählte von einem kleinen Mädchen, das zwei Wochen lang zu Soldaten kam, die sie mit Süßigkeiten beschenkten. Er erinnerte sich an ihre großen haselnussbraunen Augen und an ihren glücklichen Gesichtsausdruck, als sie die Taschen ihres Kleides mit diesen Schätzen füllte. Einige Tage später erfuhren sie von der Vernichtung des Dorfes mit allen Frauen und Kindern durch die Taliban.
Während dieser Geschichte weinte mein Gesprächspartner unaufhörlich und obwohl er große Angst vor dem Tod hatte, wollte er sich wieder für einen Einsatz melden, um wenigstens ein Kind zu retten.

Ich habe bei deutschen Familien als Betreuerin ihrer adoptierten Kinder aus Afrika, Nepal, Russland und Asien gearbeitet. Zum Zeitpunkt der Adoption waren diese Kinder vernachlässigt und unterernährt, und in zwei Fällen waren sie krank und obdachlos. Dank dieser wunderbaren Menschen erhielten sie die Chance auf ein neues und gesundes Leben, auf Liebe und für das Interesse neuer Betreuer. Obwohl es privilegierten Familien vorbehalten ist, Kinder aus dem Ausland adoptieren zu können, macht es mich glücklich, dass sie durch ihr Engagement und ihre Bereitschaft den Kindern eine Chance für ein zweites Leben geben.
Ich danke Polonia Berlin, deren ehrenamtliche Helfer an Wochenenden ein Unterhaltungsprogramm für syrische Flüchtlingskinder organisierten, um ihnen so etwas wie Normalität und eine herzliche Atmosphäre zu schenken.

Diese Geschichten verbindet das Glück der Kinder in vollkommen unterschiedlichen Lebenssituationen. Das bringt mich auf die hoffentlich nicht rhetorische Frage "wann hast Du das letzte Mal einen Menschen glücklich gemacht?"

Anna,
Bad Bevensen 12. Juni 2016

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